Zwischen Sinnsuche, Kontostand und Trennungsschmerz.

Unser Sohn beginnt in vier Tagen mit seiner Kita-Eingewöhnung, womit meine offizielle Elternzeit dem Ende zugeht. Das Berufsleben hat mich bald wieder.

In meinem Freundeskreis bekomme ich oft mit, dass der Wiedereinstieg nach der Elternzeit für Mütter in die alte Firma nicht so reibungslos funktioniert, wie es eigentlich sein sollte. Manchmal sind Teilzeitkräfte schlichtweg nicht erwünscht, manchmal werden Frauen nach der Elternzeit in Abteilungen versetzt, die gar nicht zu ihren Berufserfahrungen passen und immer wird sich vor Kind-krank-Zeiten gefürchtet.

Da mein letzter Arbeitsvertrag befristet war und mit Beginn meines Mutterschutzes endete, wusste ich damals schon, dass ich mich neu werde orientieren dürfen, wenn unser Vögelchen irgendwann das Nest verlässt. Mit neuen Wegen bin ich grundsätzlich sehr glücklich. Ich erfinde mich gerne neu.

Wenn man mich fragt macht es absolut Sinn, nach der Elternzeit eine neue Aufgabe zu übernehmen – immerhin bin ich nicht mehr die gleiche Frau wie die damals, die sich mit Babykugel von ihren Kollegen verabschiedet hat. Neben einer dazugewonnenen Dammnaht hat sich auch mein berufliches Kompetenzprofil stark erweitert:

  • Nie war ich multitaskingfähiger als heute. Auf dem Klo sitzend dem am rutschigen Waschbeckenrand turnenden Kleinkind ein Pixibuch schmackhaft machen, damit die gefährlichen Klimmzüge ihren Reiz verlieren? Kein Problem. Gleichzeitig stillen, schunkeln und singen? Mach ich mit links. Mit 11 kg-schwerem Kind auf dem Arm eine Kürbissuppe kochen und aufpassen, dass es alle Gliedmaßen behält? Schaff ich.
  • Schwierige Kunden werden mir nichts mehr anhaben können. Selbst wenn sie sich auf den Boden schmeißen, mich anbrüllen, ihre Meinung zehnmal pro Minute wechseln oder nicht mehr mit mir reden – das ist Alltag mit einem Kind in der Autonomiephase.
  • Ich bin – ganz subjektiv betrachtet – belastbar wie ein 40-Tonner. Bevor ich Mutter wurde hätte ich nicht für möglich gehalten, mit wie wenig Schlaf ich auskommen kann.
  • Ich habe ein neu entdecktes Impro-Talent. Unser Kind droht um 17.30 Uhr einzuschlafen, was den gesamten abendlichen Rhythmus auf den Kopf stellen würde? Da heißt es: kreativ werden! Mit dem Gartenschlauch rumspritzen lassen, im Keller auf Schatzsuche gehen (kommt momentan bei 30 Grad im Wohnzimmer besonders gut an), auf Mamas Laptop im Wordprogramm was tippen lassen, mit dem Handy selber Fotos machen lassen – unsere Trickkiste ist unerschöpflich.
  • Effektiv und effizient: der Mittagsschlaf dauert vermutlich nur noch 13,5 Minuten und das Haus versinkt im Chaos (die ersten 16,5 Minuten hab ich vermutlich mit Facebook und Kaffee verschwe… verbracht). 13,4. Wie gehe ich vor? 13,3. Viel schaffen in wenig Zeit kann ich jetzt viel besser als früher.

Folgende Fragen stelle ich mir, um meinen neuen beruflichen Weg zu finden:

  • Was kann ich gut? Was habe ich gelernt?
  • Was möchte ich gerne tun? Was macht mir Spaß?
  • Welche Tätigkeit ist es wert, dafür auf Zeit mit meinem Kind zu verzichten?
  • Wie viel Geld muss der neue Job zwingend auf mein Konto spülen?
  • Lassen sich Job mit Sinnhaftigkeit und Spaß mit meinem Kontostand vereinbaren?

Und neben all dem ist da noch der Trennungsschmerz. Bei dem Gedanken daran, unseren Sohn nicht mehr 24/7 um mich zu haben, schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Das Eine freut sich mit ihm, weil er in der Kita so viel mehr erleben kann, als mit mir alleine zu Hause. Außerdem freue ich mich darauf, mich mal wieder mit Dingen zu beschäftigen, die nichts mit Duplo oder Spielplätzen zu tun haben.

Das andere Herz wird allerdings vor Sehnsucht nach ihm ganz schwer. Zwei volle Jahre (plus zehn volle Monate Schwangerschaft) haben wir ganz eng miteinander verbracht – aus dem Bauch in die Trage, aus der Trage auf die Hüfte, von der Hüfte an die Hand – und jetzt soll ich ihn loslassen? Zumindest stundenweise? Uns stehen freudige, traurige und ängstliche Tage bevor und ich bin davon überzeugt, dass die Kita-Eingewöhnung für mich genauso wichtig sein wird, wie für ihn.

Fazit: Unser Sohn, mein Konto und mein Gehirn lechzen nach Abwechslung, die wir alle nun bekommen werden. Let the Kita-Eingewöhnung begin!

PS: Die emotionale Achterbahnfahrt einer Mutter beschreibt Rike Drust extrem unterhaltsam, ehrlich und wahr in ihrem Buch »Muttergefühle Gesamtausgabe«. Ich habe es verschlungen, als unser Sohn drei Monate alt war und lege es jeder Mama ans Herz! Und falls du einen motivierenden, herzerfrischenden Schubs in Richtung Karriere brauchst, bist du bei Monika Scheddins »Wecke die Diva in dir!« richtig!

 

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