Kitaeingewöhnung – Dem Burnout so nah.

Da müssen die Kinder durch.

Das ist eben für Mutter und Kind schmerzhaft.

Früher gab es gar keine Eingewöhnung – dagegen ist das heute Luxus.

Am Anfang ist es schlimm, aber nach ein paar Tagen funktioniert es bei den meisten gut.

Die Kinder wissen schon ganz genau, wie sie ihre Mütter mit Tränen manipulieren können.

Und der Klassiker: Ihrem Kind fällt die Trennung so schwer, weil Sie nicht loslassen können.

Diese und andere Sätze höre ich seit Beginn unserer Kitaeingewöhnung am laufenden Band. Wie eine nervige Platte mit einem Sprung scheint alle Welt zu wissen und abzuspulen, wie Mutter-Kind-Beziehungen im Allgemeinen bzw. unser Sohn und ich funktionieren. Seit 6 langen Wochen schon.

Und ich hasse es. Ich hasse es aus tiefstem Herzen, mein weinendes, verzweifelt schreiendes Kind von meinem Körper abzurupfen und einer anderen Person auf den Arm zu drücken, mich umzudrehen und wegzugehen – auch wenn es nur für eine Minute ist. Jedes Mal frage ich mich, was dabei in ihm kaputt geht. Seit zwei Jahren bin ich doch sein sicherer Hafen, seine Kuschelmama, auf die er sich immer verlassen kann. Und plötzlich weise ich ihn ab, obwohl er mir unmissverständlich zeigt, dass es ihm damit schlecht geht?!

Grundsätzlich gefällt es ihm in der Kita gut, er knüpft langsam die ersten Freundschaften und hat dort seine Lieblingsplätze. So lange ich an seiner Seite bin. Will ich mich kurz verabschieden, weint und schreit er so sehr, dass ich innerlich zusammenbreche. Als würde in meinem Stammhirn ein tierischer Ur-Instinkt geweckt, der dafür sorgt, dass ich ihn an mich drücken und erst wieder loslassen möchte, bis es ihm besser geht. Die Löwenmama lässt ihr Junges ja auch nicht zurück, wenn es in Not ist.

Natürlich würde mir ein bisschen mehr freie Zeit für mich, für uns als Eltern oder für das Auffüllen meines Kontos gut tun, aber ich frage mich immer mehr, welchen Preis wir dafür bereit sind zu bezahlen. Unser Sohn hat seit ein paar Wochen eine so extreme Trennungsangst entwickelt, dass überhaupt keine Trennung mehr ohne Tränen möglich ist – ich dusche zur Zeit also nur noch mit Publikum, wenn unser Sohn und sein Papa vor der Duschtür spielen oder picknicken.

Aber was ist die Alternative? Die Eingewöhnung so sehr in die Länge zu ziehen, bis er mich fröhlich verabschiedet? Oder jetzt abzubrechen und es mit 3 Jahren nochmal zu versuchen? Ein Kitawechsel? Eine Tagesmutter? Ich weiß es nicht.

Was ich aber ganz sicher weiß, ist Folgendes:

Ich kann auseinanderhalten, ob er mich manipuliert oder wirklich traurig ist. Ich lasse mir ab sofort nicht mehr einreden, ich würde mein Kind nicht so gut kennen wie Menschen, die erst seit ein paar Wochen Teil unseres Lebens sind.

Wirklich furchtbar herzzerreißende Szenen des Trennungsschmerzes, die ich bisher bei anderen Kindern beobachten »durfte« und Gänsehaut dabei hatte (in 6 Wochen bekommt man so einiges mit), will ich für uns beide nicht. Auf gar keinen Fall.

Und ganz wichtig: Ich schäme mich nicht mehr dafür, dass ich mein 2jähriges Kind schwer abgeben kann. Wir haben eine enge Bindung, was doch eigentlich ein gutes Zeichen ist. Das werde ich mir nicht kaputtreden lassen.

Ein Teil von mir möchte hoffnungsvoll fragen: »Hat noch jemand einen guten Tipp auf Lager?« Dabei weiß ich doch längst, dass der beste Tipp aller Zeiten lautet: »Hör auf dein Herz.« Und schon kommen mir wieder diese verdammten Tränen…

PS: Einen Ratgeber zum Thema Kitaeingewöhnung, den ich hier weiterempfehlen könnte, habe ich bisher nicht gelesen (du vielleicht?). Welche Bücher ich aber in Bezug auf Eltern-Kind-Beziehungen gut fand und woraus ich zum Teil immer noch schöpfe, sind diese beiden:

       

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