Herz- und Wehenschmerz zum Kindergeburtstag

Jetzt genau vor zwei Jahren gegen 21 Uhr habe ich mich gefragt, warum ich nicht schon viel eher in meinem Leben zu Drogen gegriffen habe, nachdem mir die Hebamme einen super Wehenhemmer durch die Kanüle gejagt hat. Aus Angst, mir könnte für den restlichen Teil der Geburt die Kraft fehlen, wurde ich in einen himmlischen, wattigen, schmerz- und sorgenfreien Zustand geschickt. Für eine traumhafte halbe Stunde.

Ich erinnere mich, dass um 16 Uhr des gleichen Tages mein Muttermund vollständig geöffnet war. Bis dahin hatte ich die Wehen als »schmerzhaft, aber machbar« eingeordnet. Nach 16 Uhr fiel der machbare Teil leider weg. Die sogenannte »Übergangsphase«, die viel harmloser klingt als sie sich bei mir fünf Stunden lang anfühlte, verbrachte ich damit, in die Maske des Lachgases zu brüllen und sämtliche Gebärpositionen durchzuturnen. In der »Austreibungsphase«, die ihrem Namen schon viel gerechter wird, wäre ich dann zu allem bereit gewesen, um es endlich hinter mich zu bringen.

Um kurz nach Mitternacht hatten unser Sohn, mein Mann (ja, auch für die Männer ist eine Geburt nicht leicht!) und ich es geschafft. Gesund und käseverschmiert guckte unser Kind aus großen Augen in seine neue Welt. Das ist tatsächlich zwei volle Jahre her.

Ich schwöre, dass ich seit heute Nachmittag Unterleibsschmerzen habe, obwohl es zyklusmäßig nicht sein kann – auch mein Körper scheint sich an das Jubiläum zu erinnern. Seit Tagen habe ich nah am Wasser gebaut und seit Wochen mache ich mir Gedanken, welche Geschenke und welcher Kuchen unserem Geburtstagskind am meisten gefallen würden. Denn obwohl mir die Wehenschmerzen immer noch so präsent sind, dass sie meinen weiteren Kinderwunsch beeinflussen, haben sie gleichzeitig das Allertollste aus mir hervorgebracht.

Und dieser wundervolle Mensch, unser frischgebackenes Kita-Kind, wird jetzt zwei. Zwei Jahre voller Liebe, Tragen, Kuscheln, Stillen, Wickeln, Spielen, Lachen, Weinen, Tränen, Trösten, Pusten, Rennen, Vorlesen, Aufstehen, Hinfallen, Erklären, Singen, Fragen, Füttern und so viel mehr. Die Geburt und das Muttersein hat aus mir eine neue Frau gemacht und ich bin unendlich dankbar, dass ich das erleben darf <3

So, und jetzt muss ich zurück in die Küche, damit die Gäste morgen erkennen können, dass die Muffins Feuerwehr- und Polizeiautos von oben sein sollen. Im Moment sehen sie noch aus wie bekiffte Käfer, womit wir wieder bei den Drogen und beim Wehenhemmer wären 😉

PS: Solltest du schwanger und auf der Suche nach einem Tagebuch sein, empfehle ich dir »Mein Tagebuch für die Schwangerschaft« (siehe unten). Dort findest du ebenfalls einen Roman zum Thema Geburt und Hebammen, den ich auf den ersten Blick total unauffällig fand, er mir aber auf den zweiten Blick sehr gut gefallen hat.

   

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