Bye bye Kita. Wir haben gekündigt.

Ich habe den vielfach erteilten Rat befolgt und auf mein Herz gehört. Allerdings erst, als es laut geschrien und alle Zweifler in mir übertönt hat. Wir haben unseren Vertrag gekündigt. Aber von vorne.

Während unserer siebenwöchigen Eingewöhnung, die eher etwas von einer Hospitation hatte, haben mein Mann und ich viele Situationen mitbekommen, die wir uns in der Form nicht für unseren Sohn wünschen, die aber noch im Rahmen waren. Beispielsweise wurde im Morgenkreis sehr darauf geachtet, ob die Kinder auf dem Popo (statt auf den Knien) sitzen, wie laut sie antworten, ob sie sich leise melden usw. Einmal wurde ein Mädchen vor allen anderen bloßgestellt, weil sie weinte und nicht am Morgenkreis teilnehmen wollte. Ich muss zugeben, dass es mir jeden Morgen vor diesem Ritual graute. Die vielen Regeln und das Geschimpfe der Erzieherinnen nahmen mir den Spaß am gemeinsamen Singen und Spielen. Und unser Sohn wich dabei nicht von meiner Seite. Aber wie gesagt: das war noch im Rahmen.

In Woche sechs haben wir uns dann überwunden und jeden Tag eine klitzekleine Trennung von wenigen Minuten gewagt. Unser Sohn hat jedes Mal geweint, sich aber nach ein paar Sekunden beruhigen lassen. Das werteten wir als Erfolg und waren guter Hoffnung, dass auch unsere Eingewöhnung bald beendet sein würde.

Dann kam Woche sieben. Unser Sohn klagte schon morgens über Bauch-Aua und ich frage mich immer noch, wie viel das mit unserem Essen, einem Infekt, seinem neuen Spracherwerb, physischen oder psychischen Dingen – oder der Kita? – zusammenhing. Am Mittwoch in besagter Woche bekam ich mit, wie eine der Erzieherinnen sehr unprofessionell mit dem Wutanfall eines Jungen umging. Ich fragte mich, wie gestresst und überfordert sie sein muss, um derart zu reagieren. Müssten ErzieherInnen nicht geübt in sowas sein? Am Freitag passierte dann mein persönlicher Super-GAU: Gleich zwei Situationen, in denen sich eine unserer Erzieherinnen ganz entsetzlich gegenüber ihren Schützlingen benahm. Auf eine Art, die ich als Mutter und Pädagogin absolut ablehne. Eiskalt, autoritär und von oben herab, statt emotional fürsorglich oder zumindest sachlich.

In mir schrillten alle Alarmglocken. Unüberhörbar. Ich fing an zu zittern und mir wurde übel. Mein Gedankenkarussell ging los. Bisher waren alle ErzieherInnen nett zu unserem Sohn gewesen. Aber was passiert, wenn wir nicht da sind? Und wenn er mal weint, einen Wutanfall hat oder sich nicht an all die Regeln hält – wie gehen sie dann mit ihm um? Rufen die mich wirklich an, wenn ich gehe und er nach mir weint? Und: war ich in den letzten Wochen wirklich nur die klammernde Glucke oder habe ich intuitiv etwas wahrgenommen, was meinem mütterlichen Instinkt »Gefahr« gemeldet hat?

Ich blieb noch ein paar Minuten mit meinem Erwachsenen-Po auf dem Kinderstühlchen hocken, überlegte und hielt unseren Sohn umklammert (er wollte sowieso nicht von meinem Schoß runter). Dann standen wir auf und ich sagte zu der Erzieherin: »Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, aber wir gehen jetzt.«

Seitdem habe ich mit der Kitaleitung gesprochen, unseren Vertrag gekündigt und unsere persönlichen Sachen (Wechselkleidung, Gummistiefel, Matschhose…) abgeholt. Unser Sohn hat die Kita nicht wieder betreten und ich habe mir geschworen, dass ich mir zukünftige Betreuungsmöglichkeiten intensiver anschauen werde, als es bei einer Kitabesichtigung üblich ist. Eine Kitaleitung kann noch so oft betonen, wie emphatisch ihre MitarbeiterInnen sind. Auf den alltäglichen Umgang kommt es an, statt auf gut wirkende Werbesätze oder ein hübsches Gebäude.

Ich weiß, dass es wichtig ist, vertrauen zu können und loszulassen und ich gebe zu, dass mir beides nach dieser Erfahrung noch schwerer fallen wird als ohnehin schon. Aber ich bin mir sicher, dass wir nach einer kleinen Verschnaufpause mit neuer Kraft von vorne anfangen können. Irgendwo anders, wo Wertschätzung und Herzlichkeit die Atmosphäre bestimmen. Ohne Bauchschmerzen. Die wurden übrigens in Woche acht nicht mehr erwähnt.

2 Kommentare - Sei der Nächste

  1. Hi.
    Ja. Guter Bericht. Gut wenn man dann zu seinem Gefühl steht.
    Das Portal topkita.de sammelt solche Erfahrungen, vielleicht wollt ihr der Kita auf dem Wege Feedback geben.

  2. Liebe Juliane,
    wir haben zweimal die gleiche Entscheidung getroffen. Und dass nur wegen des Bachgefühls und wesentlicher weniger „schwierigen“ Situationen, die wir während der Eingewöhnung erlebt haben. Jetzt haben wir die richtige Gruppe mit super tollen ErzieherInnen gefunden. Und wir sind total glücklich!
    Ich finde es toll, dass ihr euch die Zeit nehmt, nach einer besseren Betreuung und einem wertschätzenden Umfeld für euren Sohn zu schauen. Und es gibt diese ErzieherInnen, die ein tolles pädagogisches Verständnis haben 🙂
    Herzliche Grüße

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